21. November 2006
In vielen Unternehmen gibt es unterschiedliche Netzwerke, in denen Daten auf ebenso verschiedenartige Weise übertragen werden. Computernetzwerke beispielsweise kommunizieren im Allgemeinen auf Basis der Ethernettechnologie. Dadurch herrscht Durchgängigkeit in der Bürowelt: Druckaufträge können an einen zentralen Drucker gesendet, Emails weltweit abgerufen werden.
Daten in Anlagen und Maschinen werden hingegen über viele unterschiedliche Feldbusprotokolle übertragen. Die Kommunikation zwischen diesen Systemen und besonders zu den Computernetzwerken gestaltet sich daher aufwändig, ist nur über spezielle Soft- und Hardware möglich. Die Verwendung eines auf Ethernet basierenden Kommunikationssystems in Anlagen oder Maschinen anstelle eines der bislang verwendeten Feldbussysteme verspricht Abhilfe bei dieser Problematik.
Durch die Verwendung von Industrial Ethernet stehen Prozess- und Diagnosedaten aus Maschinen und Anlagen im nunmehr vereinheitlichten Gesamtnetzwerk zur Verfügung. Mitarbeiter, die Einblicke in Produktionsdaten benötigen, erhalten von der Netzwerk-Administration die erforderliche Berechtigung. Mit wenigen Mausklicks können diese Mitarbeiter sich dann beispielsweise darüber informieren, wie effektiv die Produktion ist oder ob es kostenintensive Stillstände in einer Anlage gibt. Für Servicetechniker ist beispielsweise der aktuelle Status einzelner I/O-Signale interessant. Diese Abfrage ist sogar über das Internet denkbar. Ein möglicher Vorteil: Ein Servicetechniker muss zur Fehlerlokalisation nicht mehr zum Kunden reisen. Er erhält eine Zugriffsberechtigung auf die betreffenden Bereiche des Firmennetzwerkes und kann so eine „Ferndiagnose“ durchführen.
Durch die Verwendung der Ethernettechnologie lassen sich auch sehr große Datenmengen sehr schnell innerhalb des Netzwerkes transportieren. Selbst Real-Time-Anwendungen wie zum Beispiel Antriebssteuerungen (Motion Control) werden durch Industrial Ethernet unterstützt. Intelligente Mechanismen steuern die Vergabe der IP-Adressen an I/O-Module und vereinfachen damit Inbetriebnahme und Wartung. Verwechslungen sind dadurch ausgeschlossen.
Murrelektronik bietet mit dem modularen und mehrfach ausgezeichneten Cube67 ein Feldbussystem an, das mit Busknoten für die gängigen Protokolle Ethernet/IP und Profinet I/O bereits heute eine Lösung für Maschinen- und Anlageninstallationen in Schutzart IP67 bietet. Im Busknoten ist ein Webserver integriert. Dadurch lassen sich Daten über jeden beliebigen Webbrowser abrufen. Die Installation einer speziellen Diagnosesoftware entfällt.
In der Bürowelt werden die einzelnen Teilnehmer wie Computer, Drucker oder Telefon über RJ45-Stecker angeschlossen. Diese in der Ethernet-Welt etablierten Stecker haben dank spezieller Gehäuse auch in industriellen Anwendungen Einzug gehalten. Ebenso wie RJ45-Stecker entsprechen auch die langjährig im Feldeinsatz bewährten, industrietauglichen M12-Rundstecker mit D-Codierung der Ethernet-Spezifikation. An der Schnittstelle zwischen Feld und Schaltschrank vereinfachen M12/RJ45-Adapter die Installation.
Die Entwicklung von Industrial Ethernet wird stark von den Automobilunternehmen Audi AG, BMW AG, DaimlerChrysler AG und Volkswagen AG geprägt. Diese haben sich zur AIDA (Automatisierungs-Initiative deutscher Automobilhersteller) zusammengeschlossen. Sie richten den Fokus auf technische Vorteile in Anwendungen und auch auf den betriebswirtschaftlichen Nutzen. Damit bekommt diese Technologie neben dem allgemeinen Maschinen- und Anlagenbau insbesondere für Zulieferbetriebe der Automobilindustrie einen besonderen Stellenwert.
